ÄCHZessibility Award: Swissquote, UBS Keyclub und UBS Banking

Die drei letzten Apps, die wir uns für den ÄCHZessibility Award anschauen, waren bei den Swiss App Awards allesamt in der Kategorie “Best Banking App” nominiert.

Swissquotes: Bühne Frei für blinde Börsianer!?

Die Online-Trading Plattform Swissquotes hat mit ihrer Iphone-App VoiceOver-mässig auch wieder einen guten Anfang gemacht. Jonas Pauchard, den Sie von einem früheren Beitrag unserer Serie her kennen, schreibt dazu:

Mit der Swissquote App stehen aktuelle Devisenkurse, Daten zu Aktien und Fonds zur Verfügung. Den Spekulanten und finanzinteressierten Menschen steht also nichts mehr im Wege – auch nicht den blinden und sehbehinderten Nutzern unter uns. Die App ist nähmlich vorbildlich gestaltet für VoiceOver-User. Nebst einigen nicht sehr relevanten Schaltern sind alle Elemente gut und aussagekräftig
beschriftet, sodass die App als zugänglich betrachtet werden kann.

Ähnlich wie beim auch schon erwähnten MoneyBook, lassen einzig Seiten mit vielen Zahlen zu wünschen übrig. Klickt sich der blinde User etwa auf die Detailseite eines Wechselkurses, sind die vielen, einander oft sehr ähnlichen Zahlen nicht immer ihrer genauen Bedeutung zuzuordnen. Mag für das betrachtende Auge der Kontext durchaus verständlich sein, müsste hier darauf geachtet werden, dass auch VoiceOver die korrekten Assoziationen ansagt.

Screenshot Swissquotes
Was die Zahlen wohl bedeuten und in welchem Zusammenhang sie zueinander stehen? Man kann als blinder Nutzer nur raten.

Fazit: Blinde Börsianer dürfen gespannt sein. Eine grundsätzlich gute App braucht nicht mehr so viel, bis sie vollends barrierefrei genutzt werden kann.

UBS KeyClub: Der erste, schlechte Eindruck

Ich bin mir zwar nicht sicher, warum die UBS die App zu ihrem Treueprogramm KeyClub in der kategorie “Best Banking App” bei den Swiss App Awards anmeldete; mit wirklichem Banking hat sie nämlich meiner Meinung nach kaum mehr was zu tun, aber es ist ja auch nicht mein Job, Kategorisierungen anzuprangern.
Macht nichts – denn auch in Sachen (Un)Zugänglichkeit lässt sich hier einiges sagen.
Auf VoiceOver-User macht diese App einen ausserordentlich schlechten ersten Eindruck. Kaum gestartet, wird der sehende Anwender mit einer Übersichts-Seite konfrontiert, die überblick über viel genutzte Prämien-Kategorien gibt. Davon kriege ich nichts mit: Statt verständlicher Kategorienbezeichnungen, sagt VoiceOver einmal mehr nur namenlose “Tasten” an. Immerhin: Ich erfahre noch, wie viele Angebote es pro namenloser “Taste” gibt – schade, dass das nichts nützt.
Einziger Lichtblick: Im Register “Partner” (ja, die Registernamen werden korrekt angesagt), erscheinen, nebst weiteren “Tasten” auch die verständlichen Namen der jeweiligen Anbieter. Und wenn man sie anklickt, wird auch der dazu gehörende Werbetext vorgelesen.

Screenshot UBS Keyclub
Die Tasten wie "Aktuelle Angebote" werden nur als "Tasten" angesagt.

Fazit: Alles in allem erhalten blinde KeyClub-Mitglieder mit der Iphone App ein eher schlecht als recht funktionierendes Werkzeug zum Sammeln oder Einlösen ihrer Treuepunkte.

UBS Banking: Draussen, Vor Der Tür

Leider geht die UBS-Misere gleich weiter; wir präsentieren hier die einzige App, die blinde Menschen wohl auch dann nicht nutzen könnten, wenn sie voll zugänglich wäre. Die Banking App der UBS ermöglicht den mobilen Zugriff auf sein UBS-Konto mit allen für solche Anwendungen gängigen Verwaltungsmöglichkeiten.
Blöd nur: Möchte man die App nutzen, muss man sich zunächst für’s UBS Online-Banking anmelden, um danach in seinem Online-Portal die mobile Funktionalität freizuschalten.
Und das Login in dieses Online-Portal ist für blinde Computeruser zur Zeit nicht möglich*; denn leider gehört zum Anmeldeverfahren auch ein Taschenrechner grosses Gerät, auf dessen Display ein Code erscheint, den der Benutzer abschreiben muss, um Zugang zum Online-Konto zu erhalten. Dieses Gerät gibt es nur in einer, nicht barrierefreien ausführung, ganz im Gegensatz zu PostFinance übrigens, welche für blinde Kunden eine sprechende Variante anbieten.

*natürlich könnte sich die blindde Person den angezeigten Code vorlesen lassen; nur ist dadurch sowohl die Daten-Sicherheit wie auch die Unabhängigkeit des Anwenders empfindlich eingeschränkt. Die UBS informiert mich zwar, dass sich Privatkunden, für einen Aufpreis von CHF 65.– eine Art USB-Token zusenden lassen könnten, welches auch ohne Augen bedient werden kann. Wie viele ihrer blinden Kunden diesen Betrag zahlten, um das zu tun, was andere kostenlos können, wollte man mir aber nicht sagen.

Screenshot UBS
Den Zahlungsverkehr selbstständig und sicher auf dem iPhone abzuwickeln bleibt für blinde UBS-Kunden eine Zukunftsvision.

Fazit: Die meisten blinden werden deshalb von der UBS Banking App höchstens die Login-Seite zu Gesicht bekommen. Es ist jämmerlich!

So Geht’s Weiter

Noch im Verlauf des heutigen Tages vergibt die Stiftung “Zugang für alle” ihre ersten ÄCHZessibility Awards! Nominiert sind all jene Apps, die wir ihnen in den letzten Tagen hier vorgestellt hatten.

Falls Sie übrigens Apps entwickeln und diese von uns auf ihre Zugänglichkeit hin prüfen lassen möchten, Treten Sie mit uns in Verbindung! Wir würden uns freuen, auch ausserhalb irgendwelcher Awards zu mehr Barrierefreiheit auf dem SmartPhone beizutragen!

Downloads

Die ÄCHZessibility Awards stehen in keinem offiziellen Zusammenhang mit den Swiss App Awards. Sie wurden jedoch offensichtlich von diesen inspiriert.

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