Linux auf einem Notebook

Schon seit einigen Jahren interessiere ich mich für Linux. Ich habe bereits einige Installationen von unterschiedlichen Linux-Distributionen auf alter Hardware und später in Virtuellen Maschinen gehabt. Schon seit längerm kam bei mir der Wunsch auf ein mal ein Notebook nur für Linux zu haben, damit ich erstens auch neuere Distributionen wie das aktuelle Ubuntu installieren kann und zweitens mir keine Sorgen mehr machen muss um meine Windows-Installationen.

So entschied ich mich im letzten Herbst endlich mal Nägel mit Köpfe zu machen und schaute mich nach einem passendem Gerät um.

Die Suche eines passenden Notebooks

Da bis heute nicht alle Hardware-Hersteller Linux unterstützen ist es notwendig sich im Internet zu erkundigen welche Hardware-Komponenten mit dem zu installierenden Linux kompatibel sind.
Es gibt zwar für einige Distributionen z,. B. wie Ubuntu eine Liste zertifizierter Geräte. Da die Entwicklung von Computer-Hardware heute rasend schnell voranschreitet, bringen solche Listen eigentlich nicht viel da sie innerhalb kürzester Zeit veraltet sind. Ich fand zum Schluss heraus dass die Firma Steg Electronic Desktop-Geräte mit vorinstalliertem Ubuntu anbieten. So nahm ich mit Steg Computer & Electronic Kontakt auf und schilderte mein Anliegen. Zu meiner grossen Überraschung antworte man mir auf meine Mail und nahm sich sogar Zeit in der Werkstätte mit mir zusammen ein Notebook auf seine Kompatibilität mit Ubuntu hin zu testen. Wo für ich mich bei den Mitarbeitern von Steg Computer & Electronic in Luzern auf diesem Weg herzlich bedanken möchte. So kam ich also zu meinem neuen Linux-Nootebook, einem “Acer Aspiere 7750Z”.

Installation

Da ich bei der Stiftung “Zugang für alle” als Accessibility Consultant arbeite und ich das Testen und Ausprobieren nicht lassen kann, habe ich mich dazu entschieden ein Dualboot-System mit Ubuntu und Vinux 3.2.1 zu installieren.

Ubuntu

Die Firma Canonical, welche Ubuntu entwickelt, hat für die aktuelle Version 11.10 die neue Benutzeroberfläche Unity eingeführt. Diese unterscheidet sich erheblich im in der Bedienung so wohl für voll sehende Anwender als auch in der Bedienung mit einem Screen-Reader von der alten Gnome 2.x Oberfläche, die früher in Ubuntu Verwendung fand.

Desktop von Ubuntu 11.10 mit der Benutzeroberfläche Unity

Abbildung 1: Der Desktop von Ubuntu 11.10 mit der Benutzeroberfläche Unity

Auf dem Ubuntu Accessibility Team Blog gibt es Informationen wie man die neue Oberfläche Unity mit dem Screen-Reader “Orca” bedient. Der Ubuntu Accessibility Team Blog ist in englischer Sprache. Neben den Accessibility-Features für Blinde und Sehbehinderte gibt es z. B auch noch ein On-Screen-Keybord für Menschen die keine Tastatur benutzen können und mit alternativen Eingabegeräten wie einer sog. Kopfmaus arbeiten.

Ubuntu 11.10 kann hier heruntergeladen werden. Ubuntu kann man als Live-CD benutzen, also direkt ab CD starten ohne dass es das bestehende System verändert

Vinux:

Vinux ist eine spezielle Distribution für Blinde und Sehbehinderte, die auf Ubuntu basiert. Die aktuelle Version basiert auf Ubuntu 11.04.

Der Desktop von Vinux 3.2.1 der sehr demjenigen von Windows ähnelt

Abbildung 2: Der Desktop von Vinux der sehr viel ähnliches mit dem Windows-Desktop hat.

Vinux wurde so konfiguriert das z. B. der Screen-Reader “Orca” mit der Braille-Unterstützung automatisch startet. Zudem wurden einige Modifikationen am Desktop gemacht, sodass Menschen mit einer Sehbehinderung den Bildschirm besser lesen können. Zu diesen Modifikationen gehört systemsweit eine grössere Schrift und eine inverse Farbdarstellung, so dass Menschen die blendungsempfindlich sind besser Arbeiten können

Vinux kann hier heruntergeladen werden und kann ebenfalls als Live-CD verwende werden.

Im Gegensatz zu Ubuntu gibt es von Vinux keine sog. Alternate-CD mit einem textbassierten Installer mit dem man mehr Kontrolle über die Installation hat. Bei Vinux muss man mit der Live-CD vorliebnehmen und den grafischen Installer nehmen der etwas beschränkt ist. Aber wenn man keine exotische Hardware besitzt sollte der grafische keine grösseren Probleme machen.

Zurück zu eigentlichen Installation. So wohl Ubuntu als auch Vinux kann von sehbehinderten und blinden Menschen selbständig installiert werden. Am einfachsten geht es wenn man die Installation über die Live-CD erledigt,, dann wird gleich die Einstellungen die man während der Installation verwendet für das installierte System übernommen. Inklusive eine möglicherweise angeschlossene Braille-Zeile
wird erkannt und mitinstalliert.

Da ich Ubuntu und Vinux installieren wollte musste ich die Festplatte selber partizionieren und formatieren. Informationen wie man Festplatten unter Ubuntu partitioniert und formatiert findet man In diesem Artikel.

Falls man nur Ubuntu oder Vinux auf dem System installieren will wählt man während der Installation einfach die entsprechende Option aus..

Vorausgesetzt auf der Festplatte ist noch genügend freier Speicherplatz vorhanden ist es auch möglich Ubuntu oder Vinux neben einem Bestehenden Windows zu installieren. Auch in diesem Fall wählt man einfach die entsprechende Option und das System bereitet die Festplatte vor. Leider fehlt unter Ubuntu 11.10 die Option “Ubuntu 11.10 neben Betriebsystem XYZ” installieren. Unter Vinux (Ubuntu 11.04) gibt’s im Dialog “Festplattenspeicher zuweisen” die Option noch unter Ubuntu 11.10 muss man die Partitionen selber bearbeiten

Die Verschiedenen Möglichkeiten ubuntu zu installieren

Abbildung 3: Die Verschiedenen Möglichkeiten ubuntu zu installieren.

 

ACHTUNG: Bevor man ein Betriebsystem neben ein Bestehendes installiert sollte man unbedingt seine Dateien sichern und zwar auf einem externen Speicher-Medium. Nur Falls die ganze Sache schief geht.!!!

Nach dem man mit dem Partitionieren und Formatieren fertig ist muss man nur noch die Zeitzone, das Tastaturlayout und die Informationen für den Benutzer des Systems eingeben . Wie das gemacht wird kann man hier Schritt für Schritt nachlesen.

Konfiguration des Systems

Da ich mehrfachbehindert bin und unter anderem eine Sehbehinderung habe bin ich darauf angewiesen, dass der Desktop und der Mauszeiger nach meinen Bedürfnissen konfiguriert wird. D.h. ich bevorzuge den Desktop einfarbig dunkelblau und den Mauszeiger muss schwarz und grösser sein.

Das mit den Desktop lässt sich relativ einfach realisieren in dem man das Kontext-Menu des Desktop mit einem rechten Mausklick auf eine leere Stelle des Desktop öffnet und dort den Eintrag “Hintergrund der Abeitsoberfläche ändern” auswählt und danach in der Ausklappliste unter Hintergrund Farbe und Farbverlauf auswählt und danach die einfarbige Schaltfläche auswählt.

Der Dialog "Hintergrund"

Abbildung 4: Der Dialog "Hintergrund" wie er sich nach dem Auswählen des einfarbigen Hintergrund pressentiert.

Jetzt muss nur noch die gewünschte Farbe, bei mir blau eingestellt werden. Dies wird erledigt in dem man auf den kleinen, farbigen Schalter in der rechten untern Ecke des Dialog klickt und im Nachfolgenden Dialog entweder mit der Maus die Farbe ändert. Alternativ kann man auch die entsprechenden Rot/Grün/Blau-Werte eintippen.

 

 Der Dialog "Wählen Sie eine Farbe"

Abbildung 5: Der Dialog "Wählen Sie eine Farbe"

 

Jetzt bleibt nur noch der Mauszeiger übrig zum ändern und das scheint unter der neuen Benutzeroberfläche
Da unter Ubuntu offenbar unter Linux die Cursor-Darstellung eine Sache der einzelnen Anwendungen ist, habe ich hier bis jetzt nur eine Teillösung gefunden.

Zuerst muss der dconf-editor installiert werden dazu öffnet man ein Terminal mit Alt+F1 und Enter. Jetzt schreibt man in das nun erscheinende Eingabefeld “Terminal” ohne die Anführungszeichen und mit Enter bestätigen.

Im Terminal schreibt man dann:

sudo apt-get install dconf-tools und bestätigt mit Enter .
Nun erscheint eine Passwortabfrage hier gibt man sein persönliches Password ein.

Wenn der dconf-editor installiert ist geht es im Terminal weiter und zwar mit dconf-editor auch diese Eingabe mit Enter bestätigen.

Nun erscheint eine grafische Oberfläche.

In der Baumansicht links geht man auf org -> gnome -> desktop -> interfaces.

Auf der Ebene Interface findet man dann rechts die beiden Einträge Cursor-size und cursor-themes. Die beiden Einträge ändert man dann nach seinen Bedürfnissen ab. Meine Einstellungen sehen z. B. so aus:

  • Cursor-size 60
  • Cursor-themes DMZ-Black

Dann kann man erstmal den dconf-edit und das Terminal mit Alt+f4 schliessen.

Die grafische Oberfläche des dconf-editor

Die grafische Oberfläche des dconf-editor

Danach Alt-F2 und compiz –replace in das nun erscheinende Eingabefeld schreiben und mit Enter bestätigen.

 

Jetzt hat man in den Produkten von Mozilla und Libreoffice einen grossen schwarzen Mauszeiger den man auch sieht. Leider übernimmt die Oberfläche Unity die Einstellungen nicht.

Mit dieser Teillösung kann ich vorerst gut leben

8 Gedanken zu „Linux auf einem Notebook“

  1. Hallo Petra

    Grossartige Anleitung und ich bekomme Lust das bei Gelegenheit einmal auszuprobieren. Es ist aber doch noch beachtlich viel Geduld nötig und Ausdauer, dafür spart man sich einige tausend Franken.

    Wie ist denn der Screenreader Orca im realen Einsatz? Kann man diesen mit JAWS vergleichen?

  2. Hallo Sven,

    Schon lange nichts mehr von dir gehört.

    Der Screen-Reader Orca ist noch nicht mit Jaws vergleichbar aber er ist brauchbar. Ich muss mich selber noch richtig in Orca einarbeiten.

    Wenn man mit einem andern Screen-Reader arbeitet ist das fast so als ob man mit einem andern Betriebsystem arbeitet dass man nicht kennt. Mann muss ganz bei Null anfangen. Das dürfte auch der Grund sein warum VoiceOver bei manchen Blinden als unbrauchbar angesehen wird, die nehmen sich keine Zeit für das Umlernen.

    Im Prinzip kann man erst dann zwei Screen-Reader vergleichen wenn man beide gleich gut kennt.

  3. Die Info
    “Inklusive eine möglicherweise angeschlossene Braille-Zeile wird erkannt und mitinstalliert.”
    halte ich für sehr pauschal und gewagt. Ich habe hier eine alte Audiodata-Zeile, die zwar noch sehr gut funktioniert, aber von keinem Linux-System erkannt wird.
    Ob davon abgesehen alle modernen Zeilen erkannt werden … Auch da habe ich meine Zweifel.

  4. Hallo Arno.

    Danke für deine Anmerkung.
    Mit Audiodata-Zeilen hat man unter Linux schon immer Probleme gehabt.
    Nach meinem Wiissen Ligt das daran, dass Audiodata die Informationen zum Protokoll das von den Zeilen verwendet wird nicht offentlich zugänglich gemacht hat und es so nicht möglich ist Treiber für diese Zeilen zu schreiben. Ob dies so stimmt weis ich nicht.

    Da unter Linux BRLTTY zur Ansteuerung der Braillezeilen verwendet wird kann hier http://mielke.cc/brltty/details.html nachgeschaut werden welche Zeilen unter Linux funktionieren. Ob jede Zeile funktioniert weiss ich nicht, aber es sind recht viele.

    Ich danke dir für deinen Beitrag recht herzlich. Ich kann auch immer noch lernen.

  5. Ich möchte das Erscheinen der ersten Beta am 1. März von Ubuntu 12.04 als Anlass zu einem Hinweiss nehmen.

    Gestern habe ich das Daily Build (tägliche aktuelle Entwickler Version) von http://cdimage.ubuntu.com/daily-live/current/ heruntergeladen und festgestellt das es noch einige gröbere Probleme mit Orca gibt.

    Wer doch mal ein Daily Build ausprobieren möchte sollte dies entweder auf einem Test-System oder in einer Virtualisierungs-Software, wie VirtualBox http://de.wikipedia.org/wiki/VirtualBox oder Vmware Player http://de.wikipedia.org/wiki/VMware#VMware_Player tun.

    Screen-Reader-Anwender sollten den Vmware Plaayer nehmen, da dieser Zugänglich ist

    Die Virtualisierungs-Produkts können hier heruntergeladen werden.
    http://www.vmware.com/products/player/overview.html
    https://www.virtualbox.org/

    Wie es mit Virtualisierung auf MACs aussieht kann ich nicht sagen. Was ich weis VMWare bietet ein Produkt Fusion für MAC an. Wie weit dies kostenfrei erhältlich ist mir unbekannt.

  6. Danke, Petra, für diese detaillierte Beschreibung! Zurzeit verwende ich unter Mac OS X 10.6.8 “Snow Leopard” virtuell eine Linux Distribution, Debian 5.x “lenny”, die hier unter VMWare Fusion 4.x läuft. Übrigens: VMWare Fusion für den Mac ist kostenpflichtig. VoiceOver unterstützt VMWare Fusion, nicht jedoch lenny.

    ich habe weder eine Braillezeile noch kann ich Braille lesen. Könnte ich Orca als SR auch nur für Sprachausgabe mit “normaler”, erweiterter (USB-) Tastatur benutzen? Oder eignet sich Orca nur für den dualen Einsatz mit Braillezeile? Das konnte ich dem Wiki-Artikel so nicht entnehmen. Und müsste ich dann zusätzlich Sprachsynth. wie ViaVoice kaufen und installieren?

    Über Tipps, Hinweise und Links würde ich mich sehr freuen!

    Viele Grüße, Peter

  7. Hallo Peter,

    Danke für deine Information über Fusion 4.X.

    Sellbstverständlich ist Orca auch nur mit Sprachausgabe nutzbar.
    Dies mache ich wenn ich mit meinem Motebook unterwegs bin.

    Wenn ich unterwegs bin mit meinem Notebook verwende ich auch nur die Sprachausgabe und wenn ich zu hause Arbeite hänge ich je nach dem die braillezeile an.

    Das oben gesagte gilt so wohl für Vinux als auch für Ubuntu

  8. Hallo Petra

    Super Artikel. Ich staune über deine Geduld. Mit Linux und viel Geduld lässt sich sicher einiges an Kosten sparen. Seit ich aber auf Mac umgestiegen bin, bin ich richtig faul geworden, ich bezahle gerne, wenn es dafür reibungslos funktioniert. Aber vielleicht wage ich mich auch mal so an Linux.

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