Behinderung hat viele Gesichter
27.11.09 von Markus Riesch
Wir werden immer wieder gefragt, wie viele Menschen mit Behinderungen es gibt. Wie viele Menschen sind sehbehindert, blind oder gehörlos? Wie viele Prozent der Bevölkerung hat eine kognitive Einschränkung? Es gibt darauf keine eindeutigen Antworten.
Bis zu 27% der Bevölkerung von Behinderung betroffen
Eine neue Studie des Bundesamt für Statistik (BFS) zeigt einmal mehr auf, dass Behinderung viele Gesichter hat. Die Anzahl der Menschen mit Behinderungen variiert stark nach der Definition der Behinderung, schreibt das Bundesamt für Statistik. Von der Bevölkerung, die in Privathaushalten lebt, sind je nach Definition 5 bis 27 Prozent von einer Behinderung betroffen.
Schwere Behinderungen sind selten
Schwere Behinderungen sind selten: Weniger als 1 Prozent der Bevölkerung sind nicht in der Lage, ein Gespräch zu führen (auch mit Hörhilfe) und 3,7 Prozent können wegen gesundheitlicher Probleme keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Leichte Behinderungen kommen in der Regel häufiger vor und machen die Mehrheit der Behinderungen aus.
Mehr Behinderungen im Alter
Mit dem Alter nehmen die gesundheitlichen Probleme zu und so steigt auch die Anzahl Behinderungen: Weniger als jede zehnte junge erwachsene Person gilt gemäss den verschiedenen analysierten Definitionen als behindert. Im obersten Alterssegment ist es hingegen jede zweite Person. Diese Sachlage kann auch für die finanziellen Invaliditätsleistungen festgestellt werden. Ein grosser Teil davon wird jedoch nicht mehr ausbezahlt, sobald das gesetzliche Rentenalter erreicht wird.
Das BFS publiziert zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen, am 3. Dezember, eine Porträt-Serie von Personen mit verschiedensten Behinderungen.
Download der Studie – Achtung nicht barrierefrei
Studie «Behinderung hat viele Gesichter» (PDF, 1,3 MB)
PS: Schade, dass die Studie selbst nicht für Menschen mit Behinderungen barrierefrei zugänglich ist. Das PDF-Dokument besitzt keinerlei Tags!
Alle Menschen sind von einer Behinderung betroffen
Mein blinder Arbeitskollege René Jaun erklärt das mit der Behindertenstatistik übrigens so:
Alle Menschen haben ihre Stärken und Schwächen, alle haben in gewissen Bereichen des Lebens ihre Einschränkungen und besondere Bedürfnisse. Alle Menschen sind auf irgendeine Weise behindert, der Unterschied zu ihm (oder den übrigen “Behinderten”) sei lediglich, dass er es schon wisse.
Dieser Gedanke sollten wir alle “nicht-behinderten” zu Herzen nehmen.