Teil 2: Einblick in Android-Accessibility

Nun sind wieder einige Tage vergangen und mein Android-Experiment geht weiter. Ich bin also immer noch absolut iPhone-los unterwegs – und das als Blinder!

Inzwischen konnte ich das Browser-Problem lösen. Der Firefox-Beta, bietet mit einer Dreifinger-Wischgeste nach oben die Möglichkeit einzustellen,von welchem Element zu welchem Element man springen will. Wischt man anschliessend mit drei Fingern nach rechts, springt man vom Element zu Element. Obwohl ich ein Problem gelöst habe, kommt ein anderes dazu. Ich kann keine Umlaute schreiben (das ist etwas bloed). Weiss hier jemand Rat? Weiterlesen

Google Nexus 5

Teil 1: Android im harten Alltag

Technologie gehört zu meinem Alltag.  Ich setze Technologien an vielen Orten ein, um meine fehlende Sehkraft zu kompensieren.

Beruflich bedingt, aber auch aus persönlichem Interesse, schaue ich immer mal gerne wieder über den iOS-Tellerrand hinaus. Diesmal ist Android an der Reihe. In letzter Zeit erlebe ich immer öfters, dass  auf meinem iOS-Gerät nicht mehr alles Rund läuft, dies ist Grund genug zu prüfen, was bei Android in der Zwischenzeit im Bezug auf Accessibility gegangen ist.

Weiterlesen

2485479345_b99bdbf458_b

Fifa-Fussball-WM für alle?

Auch Menschen mit Behinderungen wollen an der kommenden Fussball-WM teilhaben. Zu diesem Anlass haben wir als Test der Woche die Website der Fifa  auf die Barrierefreiheit getestet.

Folgende Szenarien haben wir durchgespielt:

  • In welcher Gruppe befindet sich unsere Lieblingsmannschaft?
  • Sind die aktuellen Nachrichten zu dieser Mannschaft auffindbar?
  • Wer wurde nominiert?
  • Wer sind die Botschafter in Brasilien?
  • Wie ist das Organisationskomitee zusammengestellt?
  • In welchen Stadien werden welche Spiele ausgetragen und sind die Resultate ersichtlich?

Beim Beantworten dieser Fragen sind wir auf folgende Barrieren gestossen:

  • Die Sprache lässt nicht nicht mit der Tastatur einstellen.
  • Die verschiedenen Bereiche Header, Navigation, Inhalt und Footer sind nicht semantisch klar strukturiert. Blinde und sehbehinderte Menschen können sich daher nur schlecht auf der Seite orientieren.
  • Die Überschriftenebenen entsprechen nicht einer logisch semantischen Struktur.
  • Das Kontrastverhältnis von Schrift zu Hintergrund ist ungenügend. Sehbehinderte und älter Menschen haben vielfach Mühe, die Seite zu lesen.
  • Das Bild bewegt sich auf verschiedenen Seiten, so dass das Vorlesen durch den Screenreader immer wieder unterbrochen wird und sich der Fokus verschiebt.

Fazit

Die Webseite der Fifa ist voll von Hürden für Menschen mit Behinderungen. Schade, denn das Internet ist gerade für Blinde und Sehbehinderte umso wichtiger, da wir die Spiele im Fernsehen umso weniger verfolgen können.

Sehen Sie hier unser unsere Erfahrungen mit der Website der Fifa:

Neue Website der Migros Bank – oder wie man die Barrierefreiheit ignoriert

Die Migros Bank hat einen neuen Internetauftritt. Ziel sei es gemäss Migros Bank, Kunden zu jeder Zeit und von jedem Gerät aus bedienen zu können. Daher sei die Seite nun auch für mobile Geräte, sprich Smartphones und Tablets, optimiert worden.

“Wir haben konsequent den Kundennutzen in den Mittelpunkt all unserer Überlegungen gestellt und das Konzept der Website aus Kunden- statt aus Banksicht entwickelt” preist Matthias Hunn, Websiteverantwortlicher der Bank, das Redesign an. (vgl. Netzwoche).

Screenshot neue Website Migros Bank

Wir haben nun untersucht, ob auch der Kunde in den Mittelpunkt gestellt wurde, insbesondere der ältere Kunde oder der Kunde mit besonderen Bedürfnissen. Schnell mussten wir feststellen, dass die Barrierefreiheit bei der Entwicklung der neuen Website der Migros Bank schlicht ignoriert wurde.

Unüberwindbare Hürden

Bereits bei der Farbgebung der Site stechen die schlechten Kontraste ins Auge – oder eben nicht. Viele Elemente (grün auf weiss oder weiss auf grün) weisen lediglich ein Kontrastverhältnis von 2:1 auf (minimal sollte dies mindestens 4.5:1 sein). Dies macht das Lesen der Website für Sehbehinderte und Seniorinnen und Senioren sehr schwierig.

Geringes Kontrastverhältnis

Auch für blinde Menschen mit einem Screenreader ist die Seite kaum bedienbar. Ein paar Beispiele sind die  Aufklapp-Navigation, welche nicht vorgelesen wird, eine fehlende Überschriften-Hierarchie, nicht lesbare Tabellen oder nicht sinnvoll beschriftete Bilder. Auch die Informationen in PDF-Dokumenten sind nicht lesbar für blinde Menschen.

Alle gewählten Interaktions-Elemente könnten aber sehr wohl barrierefrei zugänglich gemacht werden, wenn die entsprechenden internationalen Standards des W3C dazu von Beginn weg bei der Entwicklung berücksichtigt würden.

Unzugängliche Ausklapp-Navigation.

Auch für Tastaturanwender ist die Seite nicht barrierefrei zugänglich. Elemente können teilweise gar nicht per Tastatur erreicht werden, oder sind nicht erkennbar, da der Tab-Fokus nicht sichtbar ist.

Fazit

Leider wurden die Anliegen von Menschen mit Behinderungen und Seniorinnen und Senioren beim Redesign nicht berücksichtigt. Wenn man bedenkt, dass diese etwa 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen, dann erscheint dies sehr bedenklich. Gerade von der Migros Bank, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft des Migros-Genossenschafts-Bundes, hätten wir erwartet, dass der neue Internetauftritt für alle Menschen benutzbar gestaltet wird.

Narrator kommt aufs Windows Phone [Update]

Microsofts Mobil-OS zieht nach

Nachdem Microsofts mit Windows 8 vollständig neu gedachter Screenreader Narrator schon länger das Nutzererlebnis auf Windows 8-Geräten für blinde Anwender durch die mit Windows 8 eingeführte und durch das Update auf Windows 8.1 nochmals verbesserte Ergänzung eines Screenreaders ab Werk deutlich aufwertete und auch die teils aufregenden Tablet-Variationen mit Windows 8 für blinde Nutzer interessant machte, sorgte die gleichbleibend unbefriedigende Zugänglichkeit seines Mobil-OS für Unverständnis, dies um so mehr, als Microsoft selbst wiederholt die Bemühung nach Angleichung der Codebasis betonte. Warum, so fragte man sich verschiedentlich, konnte das gut initiierte Konzept des neuen Narrators nicht auf die Mobilplattform migrieren?
Update
Gegenwärtig beschränkt sich die Verfügbarkeit von Narrator auf die US-Version von Windows Phone 8.1, wie dieses Supportdokument verdeutlicht, hier sind unter anderem auch die verfügbaren Touchgesten der aktuellen Version aufgelistet.
Update Ende

Am Anfang der Reise

Eben dieser Schritt erfolgte unlängst mit dem Ausrollen des Updates auf Windows Phone 8.1.

Wie bereits vor einiger Zeit basierend auf verschiedenen Hinweisen gemutmaßt wurde, brachte das jüngste Update für Narrator den Sprung aufs mobile Gerät.

Ob die zugrundeliegende Codebasis der bereits länger für US-Besitzer eines Windows Phones verfügbaren Mobile Accessibility-Suite der spanischen Accessibility-Schmiede CodeFactory entlehnt ist oder doch mehr dem Desktop-Narrator von Windows 8.1 entspricht, ist ohne einen Blick auf Quellcode und APIs kaum zu sagen. Handling und TTS lassen jedoch mehr auf Letzteres schließen.

Fünf Minuten Hands-On

Auf einem Nokia Lumia 2010 mit eingestellter Systemsprache english-US findet sich Narrator nach dem Update auf WP 8.1 und lässt sich problemlos aktivieren.

Narrator auf Nokia Lumia 2010 mit Windows Phone 8.1 - ScreenShot
Narrator auf Nokia Lumia 2010 mit Windows Phone 8.1 – ScreenShot

Die verwendete TTS scheint der Desktopvariante zu entsprechen, ebenso die Bedienung.

Wisch-Gesten zur Elementweisen Navigation funktionieren wie von iOS bekannt, ebenso der Doppelklick zur Aktionsausführung. Die Windows 8-Typischen interaktiven Kacheln der Startbildschirme werden mit ihren Inhalten korrekt fokussiert und gesprochen, so etwa der Kalender. System-Apps wie Mail, Mitteilungen und Browser sind erwartungsgemäß zugänglich, viele andere Apps jedoch nicht, darunter auch Microsofteigene Apps wie etwa Mobile Office. Hier, wie auch im mobilen Adobe Reader, bleiben Inhalte von Dokumenten verborgen.

Auch sind scheinbar noch nicht alle Gesten des Desktopbruders auf der Mobilplattform angekommen, dazu zählen u.A. die Gesten zum Blättern durch Listen oder Websites. “Command not found” heißt es hier lediglich lapidar.

Dass Mobile Narrator noch etwas Beta ist, zeigt auch ein Verweis auf ein Manual in den Settings, der hinterlegte Link führt indes zurzeit nur zum Handbuch des neuen Windows Phone-OS.

Für Entwickler

Die Situation für die Zugänglichkeit von Dritt-Apps wirkt noch unklar. Scheinbar existieren verschiedene Ansätze mobile Apps und Websites für Narrator-User zugänglicher zu gestalten, eine offizielle Dokumentation gibt es jedoch anscheinend noch nicht.

Einen recht umfassenden Überblick über die vorhandenen Möglichkeiten vermittelt die Präsentation Windows Phone Accessibility, die auf der Präsentationsplattform SlideShare zur Verfügung steht, und die auch das Implementieren von Accessibility-Features in HTML5-basierte Sites und Web-Apps streift.

Heute wird in New York die UNO-Behindertenrechtskonvention (UNO-BRK) durch die Schweiz ratifiziert

Die UNO-BRK ist Ausdruck einer weltweiten Bewegung zugunsten der Inklusion von Menschen mit Behinderung. An dieser soll nun auch die Schweiz teilhaben. Die UNO-BRK wurde bereits von 143 Staaten sowie der EU ratifiziert. Nachdem die Bundesversammlung am 13. Dezember 2013 den Beitritt der Schweiz zur UNO-BRK bejaht hatte, unterzeichnete der Bundesrat am 9. April 2014 die Beitrittsurkunde. Diese wurde von Nationalrat Christian Lohr sowie dem Präsidenten des Gleichstellungsrates Égalité Handicap, Pierre Margot-Cattin, nach New York überbracht. Heute erfolgt die Ratifizierung beim Sitz der Vereinten Nationen.

In Ergänzung zum bestehenden Schweizer Behindertenrecht wird die Konvention dazu beitragen, die zahlreichen einstellungs- und umweltbedingten Barrieren zu beseitigen, welche die autonome Lebensführung von Menschen mit Behinderung immer noch stark beeinträchtigen.

Menschen mit Behinderung und ihre Organisationen hatten sich für die Ratifizierung stark engagiert. Sie freuen sich über diesen wichtigen Schritt und werden sich für die Umsetzung des Übereinkommens in allen Lebensbereichen konsequent einsetzen. Die Fachstelle der Dachorganisation der privaten Behindertenhilfe Égalité Handicap prüft zurzeit bereits, welche Massnahmen ergriffen werden müssen, damit die Schweiz den Anforderungen der UNO-BRK entspricht.

(via Égalité Handicap)

100-0038_IMG

Barrierefreie elekronische Lehrmittel für Schweizer Schüler

Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr durften wir gestern einen Workshop im Rahmen unseres Projekts «Schulische Integration durch barrierefreie elektronische Lehrmittel im ePUB3-Format», kurz «ePUB3-Projekt», durchführen.

Die Demos von zwei Betroffenen und die Präsentation über die gegenwärtige Situation der Lehrmittelverlage und –hersteller bildeten einen weiteren wertvollen Beitrag zur angestrebten Annäherung zwischen Verlags- und Accessibility-welt. Thomas Moser als Blinder und Norbert Moser als stark Sehbehinderter demonstrierten auf eindrückliche Weise, welche enormen Chancen moderne Technologien Betroffenen von Lesebehinderungen (siehe auch print disabilities) eröffnen können. Am Beispiel der Text-to-Speech App «Voice Dream Reader» zeigten Sie auf, wie korrekt erstellte elektronische Dokumente an Ihre jeweiligen Bedürfnisse angepasst angezeigt oder gar vorgelesen werden.Urs Ingold vom Lehrmittelverlag Zürich schilderte in einer packenden Präsentation die Chancen und Herausforderungen wie sie sich den Lehrmittelverlagen durch die rasant voranschreitenden Entwicklungen im Bereich digitaler Medien stellen. Eindrücklich kontrastierte er dabei die Ansprüche seitens einzelner Lehrer und Schulen aber auch seitens Betroffener und der Behindertenverbände an die Verlage mit deren Möglichkeiten und Randbedingungen.

Die Projektpartner sehen sich wiederholt darin bestätigt, zum jetzigen Zeitpunkt (Stichwort Lehrplan 21) die Initiative zu ergreifen, um die Vision flächendeckender barrierefreier elektronischer Lehrmittel für Schweizer Schüler voranzutreiben: Jegliche neu gedruckte Schulbücher sollen in Zukunft auch elektronisch und barrierefrei für alle les- und bedienbar aufbereitet verfügbar sein.

Weitergehende Informationen zum Projekt finden Sie auf unserer Projekt- und Arbeits-Website epub3.ch. Achtung: work in progress!

Rollstuhlgängige Restaurants jetzt mit der local.ch-App finden

Die Restaurant-Funktion in der App und auf der mobilen Website von local.ch wurde vor kurzem mit der Funktion «stufenlos zugänglich» erweitert. Die neue Rubrik gibt Auskunft darüber, welche Lokalitäten insbesondere für Menschen im Rollstuhl leicht zugänglich sind. Bis jetzt sind bereits viele rollstuhlgängige Restaurants erfasst, in einem nächsten Schritt werden weitere Locations folgen.

Nicht nur für Rollstuhlfahrer sind diese Informationen relevant. Auch Eltern mit Kindern freuen sich, den Kinderwagen keine Treppen hinauf- oder hinuntertragen zu müssen.

Die Daten stammen von wheelmap.org. Wheelmap ist eine Karte zum Suchen und Finden rollstuhlgerechter Orte. Wie bei Wikipedia kann jeder mitmachen und öffentlich zugängliche Orte entsprechend ihrer stufenlosen Zugänglichkeit markieren – weltweit.

Screenshot local.ch-App

Accessibility, Barrierefreies Internet, Zugang für alle