Heute wird in New York die UNO-Behindertenrechtskonvention (UNO-BRK) durch die Schweiz ratifiziert

Die UNO-BRK ist Ausdruck einer weltweiten Bewegung zugunsten der Inklusion von Menschen mit Behinderung. An dieser soll nun auch die Schweiz teilhaben. Die UNO-BRK wurde bereits von 143 Staaten sowie der EU ratifiziert. Nachdem die Bundesversammlung am 13. Dezember 2013 den Beitritt der Schweiz zur UNO-BRK bejaht hatte, unterzeichnete der Bundesrat am 9. April 2014 die Beitrittsurkunde. Diese wurde von Nationalrat Christian Lohr sowie dem Präsidenten des Gleichstellungsrates Égalité Handicap, Pierre Margot-Cattin, nach New York überbracht. Heute erfolgt die Ratifizierung beim Sitz der Vereinten Nationen.

In Ergänzung zum bestehenden Schweizer Behindertenrecht wird die Konvention dazu beitragen, die zahlreichen einstellungs- und umweltbedingten Barrieren zu beseitigen, welche die autonome Lebensführung von Menschen mit Behinderung immer noch stark beeinträchtigen.

Menschen mit Behinderung und ihre Organisationen hatten sich für die Ratifizierung stark engagiert. Sie freuen sich über diesen wichtigen Schritt und werden sich für die Umsetzung des Übereinkommens in allen Lebensbereichen konsequent einsetzen. Die Fachstelle der Dachorganisation der privaten Behindertenhilfe Égalité Handicap prüft zurzeit bereits, welche Massnahmen ergriffen werden müssen, damit die Schweiz den Anforderungen der UNO-BRK entspricht.

(via Égalité Handicap)

Barrierefreie elekronische Lehrmittel für Schweizer Schüler

Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr durften wir gestern einen Workshop im Rahmen unseres Projekts «Schulische Integration durch barrierefreie elektronische Lehrmittel im ePUB3-Format», kurz «ePUB3-Projekt», durchführen.

Die Demos von zwei Betroffenen und die Präsentation über die gegenwärtige Situation der Lehrmittelverlage und –hersteller bildeten einen weiteren wertvollen Beitrag zur angestrebten Annäherung zwischen Verlags- und Accessibility-welt. Thomas Moser als Blinder und Norbert Moser als stark Sehbehinderter demonstrierten auf eindrückliche Weise, welche enormen Chancen moderne Technologien Betroffenen von Lesebehinderungen (siehe auch print disabilities) eröffnen können. Am Beispiel der Text-to-Speech App «Voice Dream Reader» zeigten Sie auf, wie korrekt erstellte elektronische Dokumente an Ihre jeweiligen Bedürfnisse angepasst angezeigt oder gar vorgelesen werden.Urs Ingold vom Lehrmittelverlag Zürich schilderte in einer packenden Präsentation die Chancen und Herausforderungen wie sie sich den Lehrmittelverlagen durch die rasant voranschreitenden Entwicklungen im Bereich digitaler Medien stellen. Eindrücklich kontrastierte er dabei die Ansprüche seitens einzelner Lehrer und Schulen aber auch seitens Betroffener und der Behindertenverbände an die Verlage mit deren Möglichkeiten und Randbedingungen.

Die Projektpartner sehen sich wiederholt darin bestätigt, zum jetzigen Zeitpunkt (Stichwort Lehrplan 21) die Initiative zu ergreifen, um die Vision flächendeckender barrierefreier elektronischer Lehrmittel für Schweizer Schüler voranzutreiben: Jegliche neu gedruckte Schulbücher sollen in Zukunft auch elektronisch und barrierefrei für alle les- und bedienbar aufbereitet verfügbar sein.

Weitergehende Informationen zum Projekt finden Sie auf unserer Projekt- und Arbeits-Website epub3.ch. Achtung: work in progress!

Rollstuhlgängige Restaurants jetzt mit der local.ch-App finden

Die Restaurant-Funktion in der App und auf der mobilen Website von local.ch wurde vor kurzem mit der Funktion «stufenlos zugänglich» erweitert. Die neue Rubrik gibt Auskunft darüber, welche Lokalitäten insbesondere für Menschen im Rollstuhl leicht zugänglich sind. Bis jetzt sind bereits viele rollstuhlgängige Restaurants erfasst, in einem nächsten Schritt werden weitere Locations folgen.

Nicht nur für Rollstuhlfahrer sind diese Informationen relevant. Auch Eltern mit Kindern freuen sich, den Kinderwagen keine Treppen hinauf- oder hinuntertragen zu müssen.

Die Daten stammen von wheelmap.org. Wheelmap ist eine Karte zum Suchen und Finden rollstuhlgerechter Orte. Wie bei Wikipedia kann jeder mitmachen und öffentlich zugängliche Orte entsprechend ihrer stufenlosen Zugänglichkeit markieren – weltweit.

Screenshot local.ch-App

Ich sehe was was du nicht siehst Teil 2

Im ersten Teil dieser Serie, ging es um Apps, welche ich zum Reisen verwende. Nun folgen einige Apps und app-fähige Gadgets die ich in Verschiedenen Situationen des Alltags benutze.

Gesundheit

Um mein Gewicht zu kontrollieren und zu protokollieren verwende ich eine Waage von Withings mit dazugehöriger App Allerdings stellen Sie sich vielleicht gerade die Frage, wie ich denn das Display entziffern kann oder? Nun Displays sind oft ein Problem, aber da immer mehr Geräte eine W-LAN-Schnittstelle haben und somit mit dem Smartphone kommunizieren können, kann man Geräte ohne grossen technischen Aufwand zugänglich machen. Smartphones wie das iPhone enthalten einen Screen Reader, somit muss nur noch die App zugänglich sein und die Informationen des Displays können von einer App aufs Smartphone übertragen werden und vorgelesen werden. Es ist somit möglich das Display auf dem Smartphone zu lesen. Zusätzlich protokolliert die App die Gewichtsdaten und man kann diese z.B. dem Arzt zeigen. Es ist natürlich auch möglich Tendenzen über längere Zeiträume zu beobachten.withings-App mit DashBordansicht. Zeigt auch das Gewicht an.

Kochen und Texterkennung

Damit ich beim Kochen immer die richtigen Konserven erwische, scanne ich den Barcode mit Codecheck. So weiss ich vor dem Öffnen einer Dose oder Flasche, was darin enthalten ist. Dies verhindert den irrtümlichen Verzehr von Katzenfutter.

Flasche mit Barcode, der mit iPhone eingescannt wird.

Diese App ermöglicht das einscannen von Barcodes.

Ansicht des Scannergebnis des Barcodes.

Nun wird das Ergebnis des gescannten Produktes gezeigt.

Die kostenpflichtige App Prizmo, ermöglicht es ein Blatt zu fotografieren und sich anschliessend den Inhalt vorlesen zu lassen.

Ansicht eines erkannten Textes in der Prizmo App.

Mit dieser App können Texte fotografiert werden und anschliessend vorgelesen werden.

Erscheinungsbild

Gehe ich zu einem wichtigen Termin, kann ich die Farben der Kleider mit der App Color ID Free überprüfen. Die App sagt mir die Farben auf Englisch, wie z.B. dark grey.

Ausschnitt des Kamerabildes und dazugehörige Farbansage.

Die App zeigt einem die Farben an, des Objektes, was in der Kamera ist.

Finanzen

Da ich unterwegs nicht immer sehe wo ein Posttomat ist, kann ich im Falle von fehlendem Geld ruhig einen Freund anpumpen, denn ich kann ihm dank der Postfinance mobile App direkt das Geld auf sein Konto überweisen. Die App ermöglicht es ebenfalls unkompliziert sein iTunes Guthaben aufzuladen ohne den Code sehen zu müssen.
Selbst Kontostände können so abgefragt werden.

Bildschirm der Postfinance-App mit allen Dienstleistungen, wie z.B. Geldüberweisen.

App von Postfinance, mit der man via Smartphone Geld überweisen kann.

Zeitung und Bücher

Es gibt mittlerweile auch einige Zeitungs-Apps, wie 20minuten, welche es ermöglichen unterwegs Zeitung zu lesen.

Ansicht der verschiedenen Artikel der 20 Min App.

Die App 20 Min ermöglicht den Zugriff auf die meisten Artikel der Printzeitung.

Bücher im iBooks Store sind zugänglich, allerdings ist es da selten möglich semantische Elemente, wie Überschriften usw. anzuspringen.

App mit geöffneter Buchansicht eines Rega Buches.

Die App ermöglicht es blinden auf dem Smartphone bücher zu lesen.

Fazit:

Dieser Überblick zeigt, was für ein riesiges Potential in Smartphones steckt. Wir hoffen, dass die Hersteller diesem Trend folgen und auch mehr auf Zugänglichkeit achten.

Taste Rollstuhl

WAI-ARIA-Seminar am 19.3.2014 in Zürich

WAI-ARIA, die Spezifikation des W3C zur barrierefreien Gestaltung von RIAs ist zurzeit die einzige etablierte Möglichkeit Accessibility-Probleme, welche durch den Einsatz von RIAs (JavaScript-Widgets) entstehen, zu beheben.

Die Präsenz solcher RIAs im heutigen Internet nimmt stetig zu. WAI-ARIA schliesst hier eine wichtige Lücke. RIAs verfügen im Allgemeinen über keine explizite Semantik wie dies Standard-HTML-Elemente tun. Sie sind nicht maschinenlesbar, und in der Folge für assistive Technologien wie Screenreader nicht interpretierbar und meist nicht bedienbar. WAI-ARIA erlaubt auf relativ einfache Weise diese fehlende Semantik in RIAs zu ergänzen.

Der Kurs vermittelt in erster Linie ein tieferes Verständnis des WAI-ARIA-Konzepts und setzt es in den Kontext klassischer Massnahmen zur Verbesserung der Barrierefreiheit (WCAG 2.0). Auf Basis diverser Anwendungsbeispiele wird konkret aufgezeigt, wie WAI-ARIA in der Webentwicklung ein- und umgesetzt wird, worauf dabei mit Blick auf Menschen mit Behinderungen speziell geachtet werden muss.

Weitere Informationen und Anmeldung

Eingangsbereich der Schule

Ich sehe was, was du nicht siehst

Normalerweise beklagen sich Blinde wie ich, über alles, was ihnen verborgen bleibt.
Ich arbeite als Accessibility-Consultant, ich berate Entwickler in Fragen zur Umsetzung barrierefreier Websites, Applikationen und Apps. Meine tägliche Arbeit und vor allem auch meine Erfahrungen im Alltag hat mich dazu veranlasst, in diesem Beitrag aufzuzeigen, was ich dank barrierefreien Apps alles sehen kann, obwohl ich blind bin. Das iPhone verfügt über einen eingebauten Screenreader namens Voiceover, der mit verschiedenen Wisch und Tippbewegungen gesteuert wird. Der Screenreader liest somit den Bildschirminhalt vor und ermöglicht das Bedienen des Smartphones. Nur wenn die Apps korrekt programmiert sind, funktioniert dies alles.

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Google Nexus 5

Umstieg von iOS zu Android

Seit einigen Jahren nutze ich als Blinder das iPhone. Da es aber nun wieder mal an der Zeit war, mir ein neues Handy zuzulegen, entschied ich mich diesmal für einen Umstieg auf ein Mobiltelefon mit Android. So kaufte ich mir vor ein paar Wochen das Google Nexus 5 von LG mit dem neuesten Betriebssystem Android 4.4. Nachfolgend möchte ich über meine ersten Erfahrungen mit Android berichten.

Google Nexus 5

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Pokern eine willkommene Ferienabwechslung

Während der Weihnachtszeit ist man oft mit Familie und Freunden zusammen, es ist die Zeit wo gerne Gesellschaftsspiele gespielt werden. Bei uns wurde gepokert. Damit blinde überhaupt pokern können, sind sie auf Karten angewiesen, welche zusätzlich ein Blindenschriftzeichen aufgedruckt haben. Zusätzlich muss immer genau kommentiert werden, welche Karten aufgedeckt werden. Dies kann in einer fröhlichen Runde etwas mühsam sein, da man immer wieder auf Mithilfe angewiesen ist. Könnte man hingegen auf dem Smartphone gegen Freunde spielen, könnte man sich die Informationen selbstständig einholen und so in aller Ruhe den nächsten Zug planen.
Dies war Anlass genug für mich um zu überprüfen, ob es zugängliche Pokerportale mit entsprechenden Apps fürs Smartphone gibt. Denn da ein Smartphone ein Bildschirmleseprogramm integriert hat, kann man so auch Spiele zugänglich machen.

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Accessibility, Barrierefreies Internet, Zugang für alle